Lithium ist ein zentraler Rohstoff für moderne Batterien und Akkus. Es steckt in Elektroautos, Einweg-E-Zigaretten, Laptops und Smartphones. Der Abbau von Lithium bringt jedoch zahlreiche negative Auswirkungen auf die Umwelt, Natur und die lokale Bevölkerung.
Was ist Lithium und wofür wird es gebraucht?
Lithium ist das leichteste Metall der Erde und gehört zu den nicht nachwachsendenRohstoffen. Obwohl Lithium relativ häufig vorkommt, ist es nur in sehr geringen Konzentrationen verfügbar. Das silberweiße Leichtmetall ist hochreaktiv und kann bei direktem Kontakt schwere Verätzungen und Verbrennungen verursachen.
Lithium wird unter anderem genutzt für die Herstellung von:
Aluminium
Glas
Keramik
Lithium-Batterien
Die Bedeutung von Lithium hat seit der Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie stark zugenommen. Diese Batterien sind leichter, leistungsfähiger und langlebiger als herkömmliche Nickelbatterien.
E-Zigaretten und vielen weiteren elektronischen Geräten
Da Lithium als Elektrodenmaterial der wichtigste Bestandteil moderner Akkus ist, hat die Automobilindustrie ein großes Interesse an diesem Rohstoff. Lithium wird zum entscheidenden Zukunftsrohstof und seine Beschaffung hat politische Priorität. Der weltweite Trend zu Elektroautos mit Lithium-Ionen-Akkus hat ein regelrechtes „Lithium-Fieber“ bei Bergbauunternehmen ausgelöst. Dabei auch im Fokus: das österreichische Lithiumvorkommen in den Koralpen.
„Lithium ist heute einer der wichtigsten Rohstoffe für unsere digitale und erneuerbare Zukunft. Sein Abbau sollte nur unter strengen sozialen und ökologischen Standards erfolgen. Die wirksamste Maßnahme ist aber die Bedarfsreduktion, indem wir zum Beispiel weniger Lithium für große E-Autos verwenden.“
Wo wird Lithium abgebaut?
Die größten Lithiumvorkommen der Welt liegen in:
Bolivien
Argentinien
Chile
Diese Region wird als „Lithium-Dreieck“ bezeichnet.
In Chile wird Lithium vor allem im Salar de Atacama im Norden des Landes gewonnen. Die Salzseen der Atacama-Wüste bilden eines der größten Lithium-Reservoire weltweit. Der größte Lithiumproduzent in Chile ist der Konzern SQM, gefolgt von der Sociedad Chilena del Litio (SCL). Gemeinsam erzeugen diese Unternehmen rund 58 % des weltweit geförderten Lithiums.
Für die Erzeugung von Lithium wird das stark mineralhaltige Grundwasser (die Salzlake) zum gezielten Verdunsten in riesige künstlich angelegte Becken gepumpt. Durch zahlreiche Verdunstungsschritte ist es möglich, die benötigte Konzentration an Lithium zu erreichen, um Lithium-Karbonat zu erzeugen, welches weiterverarbeitet wird. Neben Lithium kann auch Kaliumchlorid mit diesem Verfahren gewonnen werden. Je nach Abbaugebiet ist das Haupterzeugnis Lithium und das Nebenprodukt Kalium oder umgekehrt.
Der größte Lithium-Produzent in Chile ist SQM, ein Konzern, der in den Händen der kanadischen Potash Corporation of Saskatchewan (PCS) und einem chilenischen Unternehmer ist und jährlich etwa 21.000 Tonnen Lithium-Karbonat erzeugt. Das zweitgrößte Unternehmen ist die nordamerikanische Sociedad Chilena del Litio (SCL). Gemeinsam erzeugen sie 58 % des weltweit gewonnenen Lithiums.
Salar de Atacama - Lithiumabbaugebiet in Chile
Lithium in Österreich
In Österreich liegt eines der größten bekannten Lithiumvorkommen Europas auf der Koralpe. Dieses wurde 2011 von der Kärntner Montanindustrie an das australische Unternehmen East Coast Minerals (ECM) verkauft. Derzeit wird noch kein Lithium kommerziell abgebaut, unter anderem wegen fehlender Investitionen und rechtlicher Prüfungen.
Ein wichtiger aktueller Meilenstein für den Umweltschutz ist ein Rechtserfolg im Verfahren zum Lithium-Abbau in Kärnten: Das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) hat der Beschwerde von GLOBAL 2000 stattgegeben und den negativen UVP-Feststellungsbescheid des Landes Kärnten aufgehoben. Damit muss neu bewertet werden, ob für das Projekt eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich ist – ein Schritt hin zu mehr Transparenz und Umwelt-Sicherheitsstandards.
„Das Gericht hat unseren Beschwerden Recht gegeben: Der Bescheid des Landes, wonach keine Umweltverträglichkeitspüfung nötig sei, war fehlerhaft. Vor allem die kumulierten Umweltauswirkungen wurden nicht ausreichend berücksichtigt. Wir fordern umfassende Prüfung und Einhaltung aller Standards, damit die Kärntner Natur nicht dem Profit eines australischen Unternehmens zum Opfer fällt.“
Kein ungeprüfter Lithium-Abbau in Kärnten
Wie wird Lithium abgebaut?
Beim Lithiumabbau in Lateinamerika wird meist stark mineralhaltiges Grundwasser, die sogenannte Salzlake, an die Oberfläche gepumpt. Diese Salzlösung wird in großen künstlichen Verdunstungsbecken gesammelt. Durch zahlreiche Verdunstungsschritte steigt die Lithiumkonzentration, bis Lithium-Karbonat gewonnen werden kann. Dieses wird anschließend weiterverarbeitet.
Neben Lithium kann mit diesem Verfahren auch Kaliumchlorid gewonnen werden. Je nach Region ist Lithium das Hauptprodukt und Kalium ein Nebenprodukt – oder umgekehrt.
Auf der Koralpe lagert das Lithium in Form von mindestens 11,5 Millionen Tonnen lithiumhaltiges Erz. Daraus ließen sich durch den untertägigen Abbau des Erzes und dioe anschließende Weiterverarbeitung in Saudi Arabien laut Angaben des Unternehmens bis zu 10.000 Tonnen Lithiumhydroxids pro Jahr gewinnen.
Was sind die Folgen der Lithiumgewinnung?
Wasserknappheit
Der Lithiumabbau im Salar de Atacama hat massive Auswirkungen auf die Wasserreserven. Die Atacama-Wüste gehört zu den trockensten Regionen der Welt. In manchen Gebieten fällt nur alle fünf bis zwanzig Jahre ein Millimeter Niederschlag.
Durch das Abpumpen der Salzlake sinkt der Grundwasserspiegel. Flüsse, Feuchtgebiete und Weideflächen trocknen aus. Besonders betroffen ist die ansässige indigene Bevölkerung, die unter zunehmendem Wassermangel leidet. Das Wasser wird gezielt verdunstet, ohne es wieder in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen.
Ökologische Schäden
Der Lithiumabbau bedroht empfindliche Ökosysteme. Feuchtgebiete, Lagunen und Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten werden zerstört. Nistplätze für Vögel und traditionelles Weideland gehen verloren.
Der Abbau von Lithium in zuvor unberührten Naturlandschaften führt zu zusätzlicher Belastung durch:
Straßenbau
Verkehr
Lärm
Maschinenbetrieb
Diese Eingriffe zerstören biologische Korridore, fördern Erosion und gefährden indigene Tier- und Pflanzenarten.
Ein weiteres Problem sind Staubwolken, die beim Abbau entstehen. Der Transport von Materialien verursacht Luftverschmutzung. Der Staub enthält hohe Mengen an Mineralien wie Lithiumkarbonat und gelangt in Dörfer, auf Weideflächen und in Schutzgebiete. Dies führt zu Gesundheitsproblemen sowie zur Verschmutzung von Böden und Gewässern.
Belastung der lokalen Bevölkerung
Der Lithiumabbau hat zwar Arbeitsplätze geschaffen und das Einkommen vieler Menschen verbessert. Allerdings handelt es sich meist um gering qualifizierte Tätigkeiten. Führungspositionen werden häufig von Arbeitskräften aus anderen Regionen besetzt.
Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Nutzung des Landes. Die indigene Bevölkerung betrachtet das Gebiet als gemeinschaftliches Gut und Teil eines ganzheitlichen Systems. Die Bergbauindustrie hingegen behandelt es als wirtschaftliche Ressource. Dadurch werden traditionelle Lebensweisen und kulturelle Strukturen bedroht.
Kann Lithium wiederverwendet und recycelt werden?
Die Nutzung von Lithium ist seit den 1990er-Jahren stark gestiegen. Dennoch werden Lithium-Batterien nur selten recycelt. Aufgrund niedriger Sammelquoten und lückenhafter Abfallgesetze landen viele Batterien in Müllverbrennungsanlagen oder auf Deponien.
Gründe dafür sind:
Niedrige und schwankende Marktpreise
Hohe Recyclingkosten
Technische Schwierigkeiten
Gefahren durch die Reaktivität von Lithium
Die EU schreibt zwar eine Sammelquote von mindestens 45 % für Batterien vor, auf Lithium-Batterien wird dabei jedoch nicht speziell eingegangen.
„Lithium-Recycling ist technisch möglich, aber noch nicht weit verbreitet. Es braucht bessere Sammelsysteme und gesetzliche Anreize, um Ressourcen zu schonen,“ sagt Anna Leitner, Sprecherin für Ressourcen bei GLOBAL 2000.
Der Bedarf an Lithium droht durch Elektrofahrzeuge und Digitalisierung weiter steigen - laut EU-Kommission wird sich die Nachfrage in der EU bis 2030 voraussichtlich verzwölffachen und bis 2050 vereinundzwanzigfachen.
Doch diese hohe Steigerung ist nicht unumgänglich. Um Umwelt und Ressourcen zu schützen, sind nötig:
Strengere gesetzliche Regelungen, damit der Abbau nur unter Einhaltung strenger ökologischer und sozialer Kriterien erfolgt
Eine umfassende Mobilitätswende, die den Lithium-Bedarf für E-Auto-Batterien durch Verlagerung auf öffentlichen Verkehr und aktive Mobiltät verringert
Förderung von Kreislaufwirtschaft, um den Rohstoff im Kreislauf zu halten und so den Primärrohstoffeinsatz zu verringern
Nachhaltiges Produktdesign
Bessere Sammelsysteme für Batterien
Investitionen in Recyclingtechnologien
Was kann ich tun?
Entsorge Batterien und Akkus fachgerecht. Sie enthalten giftige Stoffe wie Lithium, Cadmium, Quecksilber und Blei.
Nutze elektronische Geräte so lange wie möglich. Reparatur-Cafés und die Geräte-Retter-Prämie helfen dir dabei, Geräte zu reparieren statt wegzuwerfen.
Überlege vor dem Kauf, ob ein neues Gerät wirklich notwendig ist.
Kauf gebrauchte oder wiederaufbereitete Geräte.
Setze auf öffentlichen Verkehr und aktive Mobilität. Wenn du in deiner Region ohne Auto nicht mobil sein kannst, dann bevorzuge Sharing-Modelle und Kleinwagen, um den Lithium-Bedarf nicht weiter zu schüren.
Bleiben wir in Kontakt?
FAQ
Lithium ist ein leichtes Metall, das in Batterien für Elektroautos, Laptops, Smartphones und E-Zigaretten verwendet wird und auch in Aluminium, Glas und Keramik vorkommt. Lithium-Ionen-Batterien sind leichter, langlebiger und leistungsfähiger als herkömmliche Batterien.
Reines Lithium ist hochreaktiv und kann gefährlich sein. In Alltagsprodukten liegt es jedoch in gebundener Form vor. Gesundheitsrisiken entstehen vor allem bei Bränden, unsachgemäßer Entsorgung oder industrieller Verarbeitung.
Ja, aber derzeit wird Lithium nur selten recycelt, da es technisch anspruchsvoll und teuer ist. Es fehlen strenge gesetzliche Vorgaben, wie Pfandsysteme für Batterien.
Lithiumabbau kann Wasserknappheit, Austrocknung von Feuchtgebieten, Staubbelastung, Zerstörung von Ökosystemen und soziale Konflikte für die lokale Bevölkerung verursachen.
Ja. An Alternativen wie Natrium-Ionen-Batterien, Feststoff-Batterien oder Magnesium-Batterien wird intensiv geforscht. Diese Technologien könnten langfristig umweltfreundlicher sein, sind derzeit jedoch noch nicht flächendeckend marktreif.
Elektroautos sind energieeffizienter als Verbrennermotoren, der Lithium-Abbau belastet aber die Umwelt. Kleine Autos benötigen weniger Lithium als große Autos. Recycling und alternative Batterietechnologien könnten die Nachhaltigkeit entscheidend erhöhen.
Meist aus Chile, Argentinien und Bolivien, teilweise aus Lithium-Dreieck-Projekten. Zukünftig könnte auch Lithium aus Europa stärker auf den Markt drängen. Eines der größten Lithium-Vorkommen Europas liegt in Österreichs Koralpen.
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